Aquakultur gegen Überfischung– der vermeintliche Rettungsanker

Beim Gedanke an Fische kamen mir immer die bunten, faszinierenden Fischarten in den Sinn, die ich in verschiedenen Meeren dieser Welt durch die Gläser meiner Taucherbrille beobachten konnte. Doch diese schöne Vorstellung vom Wort «Fisch» hat sich im vergangenen Jahr aufgrund eines Blicks durch das Flugzeugfenster auf Aquakulturen und einer anschliessenden Recherche über die für mich dazumals «immensen Pools im Wasser» etwas geändert.

Ich denke für viele Menschen sind Fische der Inbegriff einer bunten Unterwasserwelt. Und wenn nicht dies, dann sicherlich ein wertvolles Nahrungsmittel, das gut zu deren ausgewogenen Ernährung beiträgt.
So viel steht fest, Fisch ist nicht nur ein hochwertiger Eiweisslieferant, sondern auch reich an Vitamin A und D sowie einer Reihe von B-Vitaminen. Im Fisch sind ausserdem wichtige Mineralstoffe sowie Spurenelemente wie Magnesium, Kalium und Eisen enthalten. Ärzte und Ernährungsexperten raten daher, mindesten zweimal wöchentlich Fisch in den Menuplan zu integrieren.

Doch hinter dem hohen Fischkonsum steht ein globales Problem – genannt «Überfischung». Bei der Überfischung handelt es sich um die Problematik, dass mehr Fische gefangen werden als wieder natürlich nachwachsen. Der weltweite Fischfang hat in den letzten 60 Jahren drastisch zugenommen. Über ein Drittel aller Fischbestände sind überfischt, wobei es im Mittelmeer sogar rund 93 Prozent sind.

Anstieg der weltweiten Fischfangmengen seit 1950

Die Fischer achten selten auf selektive Fangmethoden. Das Ergebnis dieser Unsorgfalt sind mehr als 27 Millionen Tonnen Fisch und andere Meerestiere, wie Wale, Rochen oder Delfine, die als Beifang in Netze geraten. Diese stellen rund ein Drittel der Menge des gesamten Fischfangs dar und werden tot oder sterbend wieder zurück ins Meer geworfen. Lange Zeit wurden Fische grösstenteils mit Hilfe von pelagischen Schleppnetzen oder Grundschleppnetzen geholt. Bei den pelagischen Schleppnetzen handelt sich rund 1500 Meter lange, tütenförmige Netze, die von einem oder mehreren Booten durch das Wasser geschleppt werden. Grundschleppnetze sind etwas kürzer und werden im Gegensatz zu den schwimmenden pelagischen Schleppnetzen über den Meeresboden gezogen. Durch diese Methode gelangt nicht nur eine Unmenge an Fisch in das Netz, sondern gleichzeitig wird der Meeresboden enorm durchwühlt. Dadurch werden ganze Ökosysteme, insbesondere auch Korallenriffe, zerstört.

Überfischung hat wie gezeigt negative Auswirkung auf die Artenvielfalt der Meerestiere und zerstört einen Grossteil des Lebensraums unter Wasser. Die kommerzielle Überfischung bedroht jedoch nicht nur das gesamte Ökosystem des Meeres, sondern gefährdet auch die Ernährungssicherheit grosser Bevölkerungsteile. Rund 2.6 Milliarden Menschen ernähren sich weltweit hauptsächlich von Fisch. Insbesondere auf die Bevölkerung in Westafrika und Asien hat die Ausrottung der Fischbestände dramatische Auswirkungen.

Aquakultur in Asien

Diesem Horror soll die Aquakultur entgegenwirken. Darunter wird die Produktion von Wasserorganismen anhand einer künstlichen Vermehrung und Aufzucht unter kontrollierten Bedingungen verstanden. Gemäss der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation waren 2013 bereits 50% der Fische kein Wildfang mehr. Der vermeintliche Rettungsanker wird jedoch kritisiert. Die Hauptkritik besteht in der Erkenntnis, dass viele Zuchtarten selbst Fleisch fressen und daher mit anderen Fischen gefüttert werden, die wiederum meist direkt aus dem Meer kommen. Ein weiteres Problem stellt die Massenzucht dar. Die gezüchteten Fische auf tiefer Besatzdichte erkranken häufiger als diejenigen in freier Wildnis. Um dem entgegenzuwirken, werden die Fische auf vielen Zuchtfarmen mit Antibiotika oder anderen Medikamenten gefüttert. Doch diese Antibiotika zeigen teilweise schon keine Wirkung mehr, oder noch schlimmer, die Erreger übertragen sich auch auf die wildlebenden Fische. Ausserdem werden oftmals Wälder grossflächig abgeholzt, um Platz für die Aquakulturen zu schaffen.

Lösung
Ich persönlich finde die Unterwasserwelt faszinierend und bin der Meinung, dass der Fisch insbesondere dem Teil der Bevölkerung zusteht, der darauf angewiesen ist. Deshalb war ich nicht nur auf der Suche nach Lösungen zur weltweiten Änderung, sondern hielt insbesondere auch Ausschau danach, was ich als Verbraucherin vornehmen kann, um mit einem guten Gewissen Fisch essen zu können.

Im Jahr 2012 wurde ein europaweit gültiges Siegel, das Aquaculture Stewardship Council (ASC) für nachhaltige Fischzucht lanciert. Hinter diesem Siegel stehen Hersteller und Händler, die sich nicht nur für Arten-, Umwelt- und Wasserschutz in den Anbaugebieten verpflichten, sondern auch hohe Sozialstandards erfüllen. Ein weiteres Label, das den Wildfang sowie die Zucht von Fischen zertifiziert ist friend of the sea (FOS). Ausserdem stellen auch Bio-Labels, wie beispielsweise Bio Suisse oder Biofisch, höhere Anforderungen.
Die Lösung des Problems ist schwierig. Als sicherste Methode gelten gemäss fair fish zurzeit sogenannte Kreislaufanlagen. Diese Analgen in geschlossenen Hallen reinigen das Wasser intern und bereiten es wieder auf. Ziel ist es dabei, durch wachstumsoptimierte und klimaunabhängige Temperaturverhältnisse den Futtereinsatz für die Fische zu reduzieren.

Abschliessend kann festgehalten werden, dass die Unterwasserwelt dringend auf Hilfe angewiesen ist. Dies erfordert aber ein Umdenken in den Köpfen der Fischer, der Produzenten sowie den Konsumenten.

Quellen:

  • https://www.welt.de/gesundheit/article13586097/Fisch-die-unterschaetzte-Vitaminbombe.html
  • https://www.fishforward.eu/de/fairer-fischen/
  • https://www.greenpeace.de/themen/meere/fischerei/welche-fangmethoden-gibt-es
  • https://www.planet-wissen.de/natur/meer/ueberfischung_der_meere/pwieaquakultursargnagelstattrettungsanker100.html
  • http://www.fair-fish.ch/media/filer_public/28/11/2811aa5c-5a6f-4e4c-8f28-fa7950fdf332/facts_7.pdf
  • https://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/fischerei/nachhaltige-fischerei/aquakulturen/
  • https://www.wwf.ch/de/unsere-ziele/ueberfischung
  • https://www.nzz.ch/wirtschaft/aquakultur–chancen-aber-auch-probleme-1.18556414
  • https://www.htwsaar.de/ingwi/fakultaet/personen/profile/uwe.waller/copy_of_arbeitsgebiet/aquakultur-was-ist-das-1
  • https://www.planet-wissen.de/natur/meer/ueberfischung_der_meere/pwieaquakultursargnagelstattrettungsanker100.html
  • https://albert-schweitzer-stiftung.de/fische-krebstiere/fische-aquakultur