Der Fiji Water Irrsinn

Keine Süssgetränke mehr! Dieses Statement höre ich immer öfter von Freunden oder Verwandten. Viel Wasser, anstelle von Getränken wie Coca Cola oder Red Bull zu trinken, ist für die eigene Gesundheit sicher viel besser. Aber auf die Gesundheit des Planeten wird dabei oft zu wenig geachtet. Wer das Wassersortiment in den Supermärkten näher betrachtet findet dabei auch einige luxuriöse Exoten. Am auffälligsten ist dabei ganz klar Fiji Water.

Fiji Water

Das Wasser stammt tatsächlich von der Insel Fidschi. Es wird von Quellen aus dem Yaqara-Tal auf der Hauptinsel Viti Levu abgefüllt. Diese Quelle kann aber nicht besucht werden, da sie angeblich nicht so idyllisch ist wie angepriesen. Das „artesische“ Wasser soll reiner als alle anderen Wasser sein und keine Schadstoffe enthalten. Es wurde bekannt durch Product-Placement in Kinofilmen und Stars wie Lady Gaga, David Beckham, Brad Pitt und natürlich Donald Trump.
Das Unternehmen exportiert in 50 Länder und ist in den USA auf Rang sieben der meistverkauften Wassermarken. Speziell am Wasser ist auch der Preis. Darin sollen sich die Premiumqualität und die Transportkosten wiederspiegeln. Und genau dort liegt das Problem.

Nachhaltigkeit

Umweltschützer kritisieren am Geschäftsmodel von Fiji Water einiges. Die lokalen Wasserquellen werden 24 Stunden am Tag ausgeschöpft. Die Energie dafür wird mithilfe von Diesel-Generatoren erzeugt. Der Hauptkritikpunkt ist aber die langen Transportwege. Um in die Schweiz zu gelangen, muss das Wasser 22’000 Kilometer zurücklegen. Der Transport verursacht pro Flasche 81g fossile Energien und 720g Wasser. Pro Flasche klingt das Ganze noch nicht verhängnisvoll, aber man muss beachten, dass allein in den USA Fiji Wasser für 424.45 Mio. USD verkauft wurde. Der Transport an den nächsten US-Hafen in Los Angeles verbrauchte gemäss der NY Times pro Jahr 174 Mio. Liter an Brennstoffen, 4.9 Milliarden Liter Wasser und erzeugt fast 98 Mio. kg Treibhausgase.

Zusätzlich sind PET-Flaschen weiterhin alles andere als nachhaltig. In den USA ist die Recycling-Rate bei 12%. Viele Flaschen verschmutzen für tausende Jahre die Umwelt oder werden verbrannt, wobei giftige Gase entstehen.

In der gesellschaftlichen Dimension bekommt Fiji Water deutlich bessere Noten. Das Unternehmen gilt als guter Arbeitsgeber. Es ist sehr engagiert auf der Insel und investiert in Bildungseinrichtungen und Sanitäranlagen. Mit mehr als 500 Angestellten gehört das Unternehmen zu den grössten Arbeitgebern auf der Insel. Die PET-Flachen werden von regionale Lieferanten geliefert. Und auch für die Wirtschaft des Inselstaates hat Fiji Water eine wichtige Bedeutung. 20% aller Exporte der Fidschi-Inseln ist von Fiji Water.

Fazit

Um zu erkennen, dass das Transportieren von Wasser in Plastikflaschen von einem Land ins andere nicht die nachhaltigste Idee ist, muss man kein Experte sein. Dies wird noch abwegiger, wenn es ein Transportweg um die halbe Erde ist. Der Erfolg von Fiji Water zeigt, was ein Trend für gesunde Ernährung gekoppelt mit einem kreativen Marketing bewirken kann. Obwohl es wohl jedem Konsumenten bewusst ist, wie absurd das Ganze eigentlich ist. Fiji Water ist sowohl ein wichtiger Arbeitgeber, wie auch eine wesentliche Einnahmequelle der Insel. Zudem werden 1% der Einnahmen in ein Regenwald-Schutzprojekt investiert. Zusammen mit dem NGO Conservation International sollen zudem CO2 Emissionen verringert werden. Conservation International steht aber selber auch in der Kritik, weil es mehr einen nachhaltigen Eindruck vermittelt, als das auch wirklich die Nachhaltigkeit verbessert wird. Die Stiftung arbeitet auch mit Unternehmen wie Monsanto, ExxonMobil und Chevron, welche selber immer wieder für ihre Nachhaltigkeit kritisiert werden. Die eigentlichen Probleme werden auch durch die finanzierten Projekte nicht gelöst.

Als Konsument empfiehlt sich ganz einfach, Leitungswasser zu trinken oder eine Alternative zum Mineralwasser aus der Plastikflasche wie Wassersprudler zu benutzen. Denn auch andere Wasser-Produzenten sind in Bezug auf die Nachhaltigkeit nicht ohne Mängel (z.B. Nestle Pure Life).

 

Quellen

Trinkwasser von den Fidschi-Inseln

http://www.umweltdialog.de/de/politik/weltweit/archiv/2009-03-18_Trinkwasser_von_den_Fidschi_Inseln.php

Fidschis stilles Wasser ist im Ausland ein Luxusgetränk

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/panorama/Fidschis-stilles-Wasser-ist-im-Ausland-ein-Luxusgetränk-article3698133.html

FIJI water by the numbers

https://www.marketplace.org/2008/06/06/sustainability/greenwash-brigade/fiji-water-numbers

The story of FIJI Water – A green and fair product?

https://sinkingislands.com/2014/09/22/the-story-of-fiji-water-a-green-and-fair-product/

Sales of the leading bottled still water brands in the United States in 2017 https://www.statista.com/statistics/188312/top-bottled-still-water-brands-in-the-united-states/

Water Proof, Fiji Water

https://www.nytimes.com/2008/06/01/magazine/01wwln-consumed-t.html?ref=magazine

Die 30’000 Liter Kühe

Neulich habe ich in der Coop Zeitung eine Werbung zu Milch gesehen, bzw. war dies schon fast ein Bericht da die Werbung zwei Seiten lang war. Die Bilder beinhalteten schöne Kühe auf einer grünen Weide und spielende Kinder. Das muss ein lukratives Geschäft sein, dachte ich mir und habe mich mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Das Fleisch eine grosse Umweltbelastung ist, haben wir schon oft gehört doch wie sieht es mit Milch aus, ist sie Gesund für uns und wie geht man mit den Tieren um? Tatsächlich ist diese Industrie sehr lukrativ. Die grossen Unternehmen wie Nestlé und Danone machten 2010 ca. 60 Milliarden Euro Umsatz alleine mit Milchprodukten. Der Jahreskonsum pro Einwohnerin und Einwohner in der Schweiz betrug im Jahr 2010, 376 kg. Eine Kuh muss also viel leisten. Früher war die durchschnittliche jährliche Milchleistung einer Kuh bei 1000 Kilogramm gewesen, diese Leistung konnte zuerst noch mit einer natürlichen Änderung oder sogar Verbesserung der Haltung erhöht werden auf 3900 kg. Bis ins Jahr 2000 konnte die Leistung einer Kuh auf 8000 kg gesteigert werden, dies jedoch mit erbarmungslosen Massnahmen.Das System Milch Interview

Das Futter beinhaltet alles, Abfälle der Nahrungsmittelindustrie mit tierischem Eiweiss und sonstigen energiereichen Proteinzusätzen. Rinder benötigen Ballaststoffe, hauptsächlich Gras doch Milchkühe stehen ganzjährig im Stall. Auch die mechanisierte Haltungstechnik und das Melksystem trug zur Ertragsteigerung bei. Die Kühe unterliegen einem lebenslangen Kreislauf von Trächtigkeit. Was auch zu Krankheiten wie Mastitis (bakterielle Entzündung der Euterdrüsen) führt, dass mit Antibiotika bekämpft wird und somit auch unsere Gesundheit gefährdet. Nicht nur durch Antibiotika grundsätzlich kann der hohe Milchkonsum zu Krankheiten führen (Hautausschläge, Gelenkschmerzen, Osteoporose oder sogar Prostatakrebs), bestätigten diverse Wissenschaftler. Auch unsere Umwelt leidet. Die Butter ist eines der klimaschädlichsten Produkte. Die Tierhaltungsemissionen sind hoch. Bei der Produktion von einem Kilo werden fast 24000 g CO2 ausgestossen, vergleichsweise dazu sind es bei einem Kilo Brot nur 780 g CO2. Die Produktion von 1 Liter Milch ist für das Klima genau so schädlich wie 7 Kilometer mit dem Auto zu fahren.

Die Unternehmen werben weiter den gemäss der Empfehlung von Swissmilk sollten Herr und Frau Schweizer durchschnittlich jeden Tag 3 Portionen Milch essen/trinken und dieser Durchschnitt sei gemäss der Verbraucherzahlen noch nicht erreicht Die Milch war nicht immer ein Grundnahrungsmittel. Es lohnte sich nicht oder war nicht möglich, den die Tiere gaben erheblich weniger Milch her als dies heute der Fall ist. Dessweitere war die Nutzung von Milch eher kulturell bedingt, Milch wurde nicht weltweit konsumiert. Dass heisst also, dass wir eigentlich gar nicht so viel Milch benötigen oder sogar darauf verzichten könnten.

DasSystemMilch_Bild10_Suedtirol-2-Kuhweide-1(c) EIKON Media und MIRAMONTE FILM, Jakob Stark_Tiberius Film

 

Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=AyVAU1A8uow (18.05.2018)

https://www.swissmilk.ch/de/produzenten/medien/medienmitteilungen/2011/pro-kopf-konsum-milch-und-milchprodukte-2010/ (20.05.2018)

https://www.peta.de/milchindustrie (18.05.2018)

http://www.ausgemolken.net/umwelt/index.html (25.04.2018)

Rollinger, M., 2013. Milch besser nicht, Deutschland: JOU-Verlag

Einen Schritt näher zum Zero Food Waste in Bern

Pro Jahr gehen gemäss Schätzungen von Food and Agriculture Organization FAO rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel verloren. Die Zahlen für die Schweiz belaufen sich gleicher Grössenordnung. Dies entspricht einer Menge von rund 2.3 Millionen Tonnen Lebensmittel oder etwa 300kg pro Person pro Jahr. (vgl. BAFU Lebensmittelabfälle)

Unter Food Waste werden sämtliche Lebensmittel verstanden die entlang der Wertschöpfung verloren gehen: von der landwirtschaftlichen Produktion, in die Verarbeitung, in die Gastronomie, bei den Grossverteilern und schliesslich in privaten Haushalten. (vgl. BAFU Lebensmittelabfälle)

In der Untenstehenden Grafik wird die Aufteilung in die verschiedenen Kategorien des Lebensmittelabfalls aufgezeigt. Der grösste Teil dieser 2.3 Millionen Tonnen Lebensabfälle pro Jahr fällt mit 61% unter den privaten Konsum sowie die Landwirtschaft. Ungefähr 22% der Abfälle fallen bei der Verarbeitungsindustrie an, 13% in der Gastronomie und ca. 4% im Gross- und Detailhandel.

Quelle: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/abfall/abfallwegweiser-a-z/biogene-abfaelle/abfallarten/lebensmittelabfaelle.html

Privathaushalte in der Pflicht
Die Privathaushalte tragen einen beträchtlichen Beitrag zum so hohen Lebensmittelabfall bei. Gemäss einer Studie vom BAFU von 2013 sind ca. 45% dieser 2.3 Millionen Tonnen Lebensmittel von Haushalten produziert. Zudem belasten diese hohen Lebensmittelabfälle nicht nur die Umwelt, sondern auch kräftig die Haushaltskasse mit 500 CHF pro Kopf pro Jahr. (vgl. BAFU Lebensmittel für die Tonne)

Massnahmen gibt es einige um den Food Waste in den Privathaushalten zu minimieren. Die meisten sind einfach umzusetzen und würden die Abfallmenge deutlich reduzieren. Zu den zwei einfachsten Massnahmen gehört das gezieltes Einkaufen und die Verwertung der Resten. Auf das gezielte Einkaufen wird im zweiten Teil des Beitrags mit dem Beispiel an der Palette Bern noch genauer eingehen. Zudem könnten auch Hersteller und Vertreiber einen Beitrag leisten. Denn wenn sie die Haltbarkeit der Produkte verbessern könnten und auch die Beschreibung des Mindesthaltbarkeitsdatums anpassen könnten, wäre es für die Konsumenten einfacher. Viele Konsumenten geben aktuell an, nicht zu wissen ab wann ein Produkt nicht mehr geniessbar sei nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums und würden die Lebensmittel aus Vorsichtsmassnahme lieber wegwerfen. (vgl. BAFU Lebensmittel für die Tonne)

Lösungsansatz Palette Bern
Seit knapp dreiviertel Jahr bietet der Laden Palette in der Berner Münstergasse das Einkaufen ohne Verpackungsmüll und in individuellen Mengen an. Das Konzept funktioniert wie folgt. Zum Einkaufen in der Münstergasse nimmt man seine eigenen Vorratsdosen und Flaschen mit oder kauft sich vor Ort die entsprechenden Gefässe einmalig. Nach dem wiegen des eigenen Behälters, können die gewünschten Produkte in die Gefässe abgefüllt werden. Man nimmt nur so viel der Lebensmittel oder Non Food Artikel wie man wirklich braucht. Somit wird man nicht gezwungen beispielsweise eine Familienpackung an Reis zu kaufen, wenn man alleine einen Haushalt führt und nur sehr wenig Reis braucht. Jeder nimmt sich so viel, wie er gerade brauch. Zum Schluss des Einkaufes wird anhand der gewogenen Menge nur das Bezahlt was auch genommen wurde. (vgl. der Bund)

Quelle: https://baerner-meitschi.ch/palette-unverpackt/

Die Palette kann mit ihrem Konzept gleich mehrere Ansätze der Nachhaltigkeit und Ökologie umsetzten. Sie bietet einerseits nur biologische und fair produzierte Produkte an. Weiter minimieren sie den Verpackungsabfall, indem sie Produkte nur ohne Verpackungen verkaufen und diese auch grösstenteils so beziehen. Ein weiterer Aspekt ist, dass man nur so viel kaufen kann, wie man auch wirklich braucht. So kann verhindert werden, dass Lebensmittel weggeworfen werden. (vgl. Palette Bern)

Fazit
Dass wir als Privathaushalte etwas gegen Food Waste unternehmen müssen, denke ich ist uns allen klar. Denn auch ich habe oft das Problem, beim Einkaufen lauter XXL-Familienpackungen in den Regalen zu sehen, welche für ein zwei Personenhaushalt einfach zu gross sind. Daher finde ich den Ansatz von Palette Bern sehr gut, dass man mit seiner Vorratsdose einkaufen geht und sich genau so viel kaufen kann, wie man wirklich benötigt. Hiermit kann nicht nur Food Waste minimiert werden, sondern kommen wir auch dem Zero Waste ein Stück näher.

Quelle:
https://palette-bern.ch/

https://www.derbund.ch/bern/nachrichten/Laeden-ohne-Abfall-erobern-Bern/story/18455759

https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/abfall/inkuerze.html

https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/abfall/abfallwegweiser-a-z/biogene-abfaelle/abfallarten/lebensmittelabfaelle.html

https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wirtschaft-konsum/dossiers/lebensmittel-fuer-die-muelltonne.html

https://baerner-meitschi.ch/palette-unverpackt/