Mikroverunreinigung in Schweizer Fliessgewässer

Die Wasserqualität von Schweizer Gewässer ist seit den 1970er Jahren stark gestiegen. Ein grosses Problem ist allerdings die Mikroverunreinigungen, die von den Abwasserreinigungsanlagen (ARA), der Landwirtschaft und Quellen in die Gewässer gelangen.

 

Alles was wir einnehmen landet früher oder später im Abwasser. Nicht alle diese Substanzen, die im Abwasser landen, sind gut für die Umwelt und werden Mikroverunreinigungen genannt. Mikroverunreinigungen sind organische Spurenstoffe, die in sehr tiefen Konzentrationen in den Gewässern vorkommen (Milliardstel- bis Millionstel-Gramm pro Liter)(umwelt.sg.ch). Besonders heikel sind vor allem biologisch wirksame Substanzen. Gute Beispiele sind Blutverdünner, Arzneimittel, die den Hormonhaushalt beeinflussen oder Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Bereits kleine Rückstände in Gewässern können das Fressverhalten, die Fortpflanzungsfähigkeit und das Aggressionsverhalten der Tiere verändern (bafu.admin.ch, Antibiotika- und Heilmittelrückstände, 2015).

Jährlich entwickelt die chemische Industrie rund 200 bis 300 neue Substanzen, die zu den 100’000 bereits im Markt vorhandenen hinzukommen. Schweizweit sind davon mehr als 30’000 in Gebrauch. Die Toxizität für Menschen ist derzeit aber nur für eine von zehn belegt. Ausserdem wird durch das Fabrikationsgeheimnis, die genaue Zusammensetzung der Produkte oft nicht bekanntgegeben. Aus diesem Grund können die Substanzen erst entdeckt werden, wenn sie Gewässer verschmutzen (energie-umwelt.ch).

Gemäss einem Beurteilungskonzept für Mikroverunreinigungen aus diffusen Einträgen, das im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt von dem Wasserforschungsinstitut der ETH Zürich durchgeführt wurde, kann gesagt werden, dass es überall im Schweizer Mittelland und auch in der Talebene der Rhône mehrfach zu Überschreitungen des gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes kommt. Anders ausgedrückt kann man also sagen, dass praktisch überall, wo gemessen wurde, temporäre Überschreitungen des Grenzwertes festgestellt wurden. Während feststeht, dass Arzneimittelrückstände und andere Mikroverunreinigungen Fische und weitere Wasserlebewesen schädigen, sind die Folgen für die Gesundheit der Menschen weniger klar (bafu.admin.ch, Beurteilungskonzept für Mikroverunreinigungen aus diffusen Einträgen, 2014) (bafu.admin.ch, Beurteilungskonzept für Mikroverunreinigungen aus diffusen Einträgen, 2014)

Was wird dagegen getan?

Mikroverunreinigungen werden in ARAs kaum entfernt. Erst seit kurzem werden in der Schweiz neue technologische Möglichkeiten genutzt, um diese zu beseitigen. Damit die nötigen finanziellen Mittel effizient eingesetzt werden können, hat das Parlament beschlossen nur die wichtigsten Anlagen auszubauen. Diese reinigen zusammen über die Hälfte des gesamten Abwassers in der Schweiz. Die Kosten für die Aufrüstung werden in den kommenden 20 Jahren total 1,2 Milliarden Schweizer Franken betragen. Finanziert wird sie hauptsächlich über eine bei allen ARAs erhobene Abwasserabgabe von maximal 9 CHF pro Kopf und Jahr. Diese neuen gesetzlichen Vorschriften sind seit 1. Januar 2016 in Kraft. Die Massnahmen werden von den Eigentümern der Kläranlagen umgesetzt. Ihnen steht die Wahl der Technologie grundsätzlich frei. Allerdings müssen sie sich an den Vorgaben der Kantone und des Bundes orientieren. Bereits heute arbeiten mehrere ARA-Betreiber an Projekten zur Auflösung der Mikroverunreinigung. Seit März 2014 läuft die ARA Neugut in Dübendorf bei Zürich mit einer Ozonbehandlung, während die ARA Bachwis in Herisau (AR) das Abwasser seit Juni 2015 mit Pulver-Aktivkohle filtert. Beide Anlagen reduzieren die Mikroverunreinigungen im Dauerbetrieb wie gewünscht um 80 Prozent (bafu.admin.ch, Mikroverunreinigungen: Ausbau von Kläranlagen, 2016).

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Mikroverunreinigung in der Schweiz eine reale Gefahr für die Tiere darstellen. Die Auswirkungen auf die Menschen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. Das Problem wurde allerdings erkannt und wird nun, wenn auch verspätet in Angriff genommen. Durch den technologischen Fortschritt der Reinigung bei den ARAs kann und soll die Mikroverunreinigung um 80 Prozent reduziert werden.

 

Quellen:

umwelt.sg.ch
https://www.umwelt.sg.ch/home/Themen/wasser/Mikroverunreinigungen.html

bafu.admin.ch, Antibiotika- und Heilmittelrückstände (26.08.2015)
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/gesundheit/gesundheit–dossiers/magazin-umwelt-gesundheit/antibiotika–und-heilmittelrueckstaende-in-der-umwelt–die-verst.html

energie-umwelt.ch
https://www.energie-umwelt.ch/definitionen/821-mikroverunreinigungen

bafu.admin.ch, Beurteilungskonzept für Mikroverunreinigungen aus diffusen Einträgen (01.10.2014)
https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/wasser/externe-studien-berichte/beurteilungskonzeptfuermikroverunreinigungenausdiffuseneintraege.pdf.download.pdf/beurteilungskonzeptfuermikroverunreinigungenausdiffuseneintraege.pdf

bafu.admin.ch, Mikroverunreinigungen: Ausbau von Kläranlagen (19.05.2016)
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wasser/dossiers/mikroverunreinigungen-ausbau-klaeranlagen.html

Quelle Grafik:
https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/wasser/externe-studien-berichte/beurteilungskonzeptfuermikroverunreinigungenausdiffuseneintraege.pdf.download.pdf/beurteilungskonzeptfuermikroverunreinigungenausdiffuseneintraege.pdf