Mehrwegbecher vs. Einwegbecher in Fussballstadien

Jede Woche entstehen in diversen Stadien der Welt Unmengen an Abfall durch das Wegwerfen von Bechern. Auch mir ist die Problematik aufgrund diverser Stadionbesuche bekannt. In deutschen Stadien werden in der Bundesliga drei verschiedene Systeme von Bechern verwendet. Einerseits werden Einwegbecher aus Polyethylenterephtalat (PET) verwendet, andererseits Becher aus ökologisch abbaubarem Polylactid (PLA). Neben diesen Einwegsystemen werden jedoch auch umweltfreundlichere Polypropylen (PP) Mehrwegbecher eingesetzt. (DUH 2017)

Trotzdem finden diverse Bundesligisten einen Grund, den umweltfreundlichen Mehrwegbecher schlechtzureden. Sie sind teilweise sogar von den Mehrwegbechersystemen auf die ökologisch abbaubaren PLA-Becher umgestiegen. Sie erklären ihren Entscheid mit der angeblichen CO2-Neutralität der PLA-Becher. Jedoch ist dies nicht die ganze Wahrheit. Die Becher selbst sind zwar klimaneutral, jedoch nicht der ganze Prozess im Hintergrund. Die energieintensive Herstellung der Rohmaterialien führt zu erheblichen Emissionen wie CO2, Lachgas oder Methangas. Auf der untenstehenden Grafik sieht man die CO2 Belastung der verschiedenen Bechersysteme. Der Polystyrol (PS) Becher kommen aktuell in deutschen Stadien aufgrund der massiv hohen Umweltbelastung nicht mehr zum Zug. (DUH 2017)

Petitionen   fordern die Vereine mit Einwegbechersystem auf, ihr aktuelles System zu ändern und somit ihrer Vorbildfunktion als grosser Verein in der Gesellschaft gerecht zu werden (CHANGE.ORG 2018). Die Medien thematisieren die Umweltproblematik ebenfalls und verweisen aktiv auf die Petitionen. (Ruhrnachrichten 2018). Daran sieht man, dass das Thema nicht unter dem Radar verschwindet, sondern öffentlich wahrgenommen wird.

 

Fussballvereine argumentieren immer mit den selben Gründen gegen den Gebrauch von Mehrwegbechern. Die wichtigsten Argumente werden nachfolgend widerlegt.

Sicherheitsbedenken
Viele Vereine begründen ihren Entscheid, Einwegbecher zu benutzen, damit, dass die Sicherheit von Mehrwegbechern aufgrund ihrer höheren Festigkeit nicht gewährt wäre. Jedoch gibt es inzwischen sicherheitsoptimierte Mehrwegbecher, die extra für Grossveranstaltungen konzipiert wurden. Diese Becher drehen sich während dem Flug automatisch um die eigene Achse. Somit entleeren sich die Becher und der allfällige Aufprall beim Wurf wäre nicht so stark. Ausserdem sind die Kanten abgerundet. Erste Einsätze sind positiv verlaufen. Somit kann dieses Argument nicht gegen die Mehrwegbecher verwendet werden. (DUH 2017)

Ressourcenverbrauch
Ausserdem behaupten Vereine mit einem Einwegbechersystem, dass das Spülen der Mehrwegbecher die Umwelt so stark belastet, dass es im Endeffekt umweltfreundlicher ist, Einwegbecher zu verwenden. Dies ist jedoch nicht der Fall. (Österreichisches Ökologie-Institut 2007)

Weiter argumentieren Fussballvereine damit, dass die Herstellung eines stabileren Mehrwegbechers viel mehr Ressourcen verbraucht im Gegensatz zu einem Einwegbecher. Wenn man einen einzelnen Becher betrachtet, mag das stimmen, jedoch ist der Mehrwegbecher bereits nach der fünften Wiederbefüllung nachhaltiger. Laut einer Studie werden in den deutschen Stadien die Mehrwegbecher 41 Mal wiederbefüllt. Somit ist dieses Argument ebenfalls nicht verwendbar. (DUH 2017)

Recycling
Ein Problem beim Recycling der Einwegbecher ist die Mülltrennung. In vielen Stadien gibt es zwar spezielle Sammelstellen für die recyclebaren Becher, jedoch landet nur ein Bruchteil der Becher auch wirklich in den dafür vorgesehenen Behältern. Beim Fussball sind viele Emotionen im Spiel. Der ökologische Fussabdruck jedes Einzelnen rückt eher in den Hintergrund, was auch verständlich ist. Ich mache selber die Beobachtung, dass ich durch die Anspannung nicht mehr bewusst darauf achte, wo mein leerer Becher landet. Die Becher werden nach dem Spiel meist am Boden zurückgelassen, zusammen mit dem restlichen Müll. Viele Vereine machen sich nicht die Mühe, diesen Mix aus Müll korrekt zu trennen, um ihn anschliessend korrekt zu verwerten. Auch wenn alle Becher ordnungsgemäss eingesammelt würden, wären die Mehrwegbecher immer noch ökologischer. (DUH 2017)

 Fazit
Den Vereinen ist die Problematik der Einwegbecher sicherlich bewusst. Sie versuchen sich jedoch durch die Argumentation mit Halbwahrheiten, wie bei der Umstellung auf PLA-Becher, zu rechtfertigen. Ein komplexes Mehrwegbechersystem mit Pfand einzuführen, ist für viele Vereine angeblich mit zu viel Aufwand verbunden. Hoffentlich helfen Petitionen, wie diese für den Signal Iduna Park in Dortmund, die Vereine zu einem Umdenken zu bringen.

 

 

Quellen: