«Vielfalt in der Lehre» war das Thema des 5. E-Learning Tags der BFH. Und vielfältig war auch das Programm.

«Vielfalt» ist allgegenwärtig im Lehralltag – schliesslich sind alle Studierenden und Dozierenden individuell in ihren Eigenschaften, Voraussetzungen und Ressourcen. Was bedeutet diese Vielfalt nun für die Lehre?

Jede*r ist und lernt individuell

Christian Spannagel beleuchtete diese Frage in seiner Keynote lernpsychologisch und didaktisch. Ganz studierendenzentriert sieht er Lehrende nicht als Solist*innen, sondern als Dirigierende, die die Lernprozesse der Studierenden orchestrieren. Wenn sowieso jede*r individuell lernt, wäre dann nicht Einzelbetreuung am besten? Nein, denn Lernen ist immer auch ein sozialer Prozess, und das Lernen von und miteinander ist nach wie vor wichtig. Doch individuelles und soziales Lernen kann auch geschickt zusammen orchestriert werden, etwa durch Differenzierung der Lernaktivitäten. Kommt dann noch Lernbegleitung im Rahmen des Möglichen und Machbaren hinzu, wird komplexe Vielfalt nicht reduziert, sondern akzeptiert und werden Lernerfolge für alle möglich.

Vielfalt@BFH: Didaktische Fragen, die Lehrenden unter den Nägeln brennen

«Wie gestalten wir Lehre dans deux langues?», «Wie gehen wir mit heterogenem Vorwissen der Studierenden um?», «Wie kann eine diversitätssensible digitale Lehre aussehen?» Diese und weitere Fragen hatten Lehrende der BFH im Vorfeld gestellt, am E-Learning-Tag wurden sie dann in Kleingruppen angeregt diskutiert. In kurzer Zeit entstand ein beachtlicher Fundus an Einsichten, Ideen und noch offenen Fragen, auf miro sind sie festgehalten und können weiterwirken.

Workshops von Anti-Bias über Transfer bis Methodenvielfalt

Nach der Mittagspause standen sechs spannende Workshops zur Wahl:

Mit welchen Methoden, Tipps und Tricks Online-Lehre motivierend wird, konnten die Teilnehmenden im Workshop mit Bettina Ritter Mamczek erleben und lernen. Sebastian Walzik zeigte, wie Classroom Assessment Techniques das Lernen der Studierenden fördern und das Lehren verbessern. Konkrete Modelle, Prinzipien und Planungsinstrumente, um Lehre so zu planen, dass sie Vielfalt gerecht wird, standen beim Workshop von Gregory Turkawka auf dem Programm. Wie individuelle Lernpfade und Transfer in heterogenen Lerngruppen stärker gefördert werden können, darum ging es im Workshop von Yvo Wüest. Vielfalt in der eigenen Lehrpraxis wahrzunehmen, Chancen, Verwicklungen und Widersprüche ausloten, konnten die Teilnehmenden im Workshop von Lalitha Chamakalayil. Und mit Jennifer J* Moos konnte man eigenen unbewussten Voreingenommenheiten auf die Spur kommen und reflektieren, wie (digitale) Lehre möglichst fair und unvoreingenommen zu gestalten ist.

Zurück im Plenum wurden Marie Pešková und Nada Endrissat (Departemente Wirtschaft) für ihre Lehrveranstaltung «Agility & New Work» mit dem CS-Award for Best Teaching ausgezeichnet. Deren drei Elemente – Virtuelle Lerneinheiten im Selbststudium, vertiefende Präsenzveranstaltungen und ein Praxisfall – sind didaktisch klug kombiniert und erlauben praxisorientiertes Studieren mit Transfergarantie.

Und erneut ist Mägi Brändle schier Unmögliches gelungen, indem sie diesen vielfältigen und abwechslungsreichen Tag und die vielen Ideen und Impulse in einem wunderschönen Graphic Recording festgehalten hat.

Ein Klick und dabei

Coronabedingt fand der E-Learning Tag nun schon zum zweiten Mal online statt. Das hat Vorteile: ein Klick und dabei, keine Reisezeit, keine Masken. Auch die schnellen Gruppenwechsel dank Breakoutrooms sind einfach unschlagbar. Doch trotz Abwechslung und Online-Apéro: Es war ein Tag in 2D, zu Hause. Ein E-Learning Tag in 3D wäre zur Abwechslung auch mal wieder nett. Ob es beim nächsten, am 30. August 2022 zum Thema Future Skills, soweit ist? Schauen wir mal. Sichert euch auf jeden Fall schon mal das Datum.