Was passiert, wenn Flipped Classroom und E-Assessment sich treffen? Dies konnten die Teilnehmenden des E-Learning-Tags der BFH erleben. Mit einer Keynote, einem StudentQuiz Game und sechs spannenden Workshops waren sie mittendrin – im Thema und in einer ausgebuchten Veranstaltung.

Schon der Einstieg war „flipped“ gestaltet – die Teilnehmenden wurden per Video und live begrüsst.

Flipped Classroom und E-Assessment für mehr Kompetenzorientierung

Warum ist es sinnvoll, Flipped Classroom mit E-Assessment zu verbinden? Dies zeigte Prof. Dr. Jürgen Handke gleich zu Beginn mit seiner Keynote auf. Als „Mastery“-Learning bezeichnet er, wenn für das Selbststudium digitale Materialien und formative Tests kombiniert werden. Mit Badges, die es zu holen gibt, sind diese Tests bei Handke zudem „gamified“ und damit besonders motivierend. Dank dieses Vorgehens ist die Wissensbasis bereits gefestigt, wenn die Studierenden in die Präsenzlehre kommen. Im Zentrum stehen hier dann die Inhaltsvertiefung und Anwendung, meist mittels kollaborativer Methoden. Machen sich Lehrende mit diesem Konzept nicht überflüssig? Auf gar keinen Fall! Lehren wird damit nicht weniger anspruchsvoll, nur anders: Für die Onlinephase ist es notwendig, qualitativ hochwertige Inhalte auszuwählen und zusammenzustellen bzw. zu produzieren; statt Wissensvermittler in action sind Lehrende stärker Lernprozessbegleitende.

Spielend lernen mit dem StudentQuiz

Wenn Studierende Tests lösen, um zu lernen, ist das gut. Wenn sie selbst welche erstellen, ist das noch viel besser, denn damit erreichen sie höhere Taxonomiestufen. Das dachte sich auch Prof. Frank Koch von der Hochschule für Technik Rapperswil und erfand das „StudentQuiz“. Studierende können damit ganz einfach selbst Testfragen in Moodle kreieren und auch die Qualität der Fragen gegenseitig bewerten. Genau dies probierten die Teilnehmenden gleich aus, sie entwickelten Quizfragen zur Keynote und beantworteten diese im anschliessenden Game. Die Zusammenfassung der Keynote von Evelyn Kraft (Fachstelle Hochschuldidaktik & E-Learning) in Form einer Sketchnote war eine grosse Hilfe dabei.

CS Award for Best Teaching für Avatar und BLUB

Gleich zwei Gewinner gab es dieses Jahr beim CS Award for Best Teaching und beide verbinden digitales Lernen und Lernen in Präsenz auf innovative Weise: Esther Abplanalp und ihr Team (Soziale Arbeit) erhielten den Preis für das Modul „Interaktion und Kommunikation“, in dem Studierende mit Hilfe eines renitenten Avatars lernen, wie man mit schwierigen Klienten umgeht. Serge Bignens (Medizininformatik) wurde für sein Modul «BLUB: Blended Learning Use case basiert» ausgezeichnet, in dem ein selbst gewählter Anwendungsfall roter Faden durch das Modul ist.

Aktiv in den Nachmittags-Workshops

In den Workshops am Nachmittag wurde intensiv gearbeitet:

  • Gute Planung ist schon das halbe Video – diese Erfahrung machten die Teilnehmenden im Workshop „Video-Learning-Nuggets“ und produzierten in nur 45 Minuten ein Video-Schmuckstück.
  • In „Less paper“ probierten die Teilnehmenden Apps und Tools zum papierlose Arbeiten aus.
  • Total kompetenzorientiert ging es in „Kontaktunterricht im Flipped Classroom“ zu: Die Teilnehmenden entwickelten in Kleingruppen ungewöhnliche Ideen und Methoden für die Präsenzlehre.
  • Spielend lernen macht Spass. Viele Ideen dazu gab es im Workshop „Gamification“. Auch Studierende können Games für Lerninhalte designen, der Lerneffekt ist dann noch grösser.
  • Ist Lehre kompetenzorientiert, sollten es auch die Prüfungen sein. Mit Multiple Choice Fragen kommt man hier allerdings nicht weit, da sie vor allem Wissen und Verständnis prüfen. Für wirklich kompetenzorientiertes Prüfen braucht es deshalb offene Fragen oder digitale Anwendungen, so das Fazit von „Kompetenzorientiert prüfen“
  • Am besten fängt man klein an, wenn man seine Lehre digitalisiert. Dies zeigte der Workshop „Flipped Classroom Schritt für Schritt“. Für den Anfang genügen 10 Minuten. Und: Man muss nicht alles selbst produzieren, es gibt bereits viele sehr gute Materialien im Netz (Open Educational Ressources).

In den Departementsgruppen wurden die Impulse des Tages zusammengetragen und Pläne für die Zukunft geschmiedet.

„Äs het gfägt“

Auch dieses Jahr hat Joël Djakou, Student „Multimedia Production“, mit Unterstützung seiner Schwester Kaya Djakou, in beeindruckender Geschwindigkeit ein tolles Video mit Impressionen zum E-Learning-Tag produziert. Schon zum Abschluss des Tages konnte man es in der Aula bewundern und sich davon überzeugen: „Äs het gfägt“ am 3. E-Learning-Tag, wir freuen uns schon auf den nächsten. Am 1. September 2020 ist es wieder soweit!